Beim Reifenkauf auf das Reifenlabel achten Mittwoch, 9. Oktober 2013

Seit knapp einem Jahr müssen neue Reifen mit dem EU-Reifenlabel ausgezeichnet werden. Neben Nassbremsverhalten und Aussengeräusch ist auf diesem Label auch der Rollwiderstand in Form einer Klassifizierung von A bis G angegeben, wie wir sie seit vielen Jahren schon z.B. von Kühlschränken und anderen Geräten kennen. Der Rollwiderstand der Reifen ist für ca. 20% des Kraftstoffverbrauchs verantwortlich. Da ein direkter Zusammenhang zwischen Rollwiderstand und Verbrauch besteht ist der Rollwiderstand am Reifenlabel auch mit einem Zapfsäulen-Symbol versehen.

EU-ReifenlabelDa nun wieder die Zeit für den Wechsel auf Winterreifen gekommen ist und einige Autobesitzer neue Reifen benötigen werden, wollen wir kurz einen näheren Blick auf den Rollwiderstand am Reifenlabel werfen.

Was sagt der Rollwiderstand aus und lohnt es sich, beim Reifenkauf darauf zu achten?

Da es viele Faktoren gibt, die sich auf den Spritverbrauch auswirken, ist eine direkte Schlussfolgerung auf den Mehrverbrauch aufgrund der angegebenen Effizienzklasse leider nicht so einfach möglich. Die Einteilung in die Effizienzklassen A bis G sind in der EU-Verordnung 1222/2009 geregelt. Lt. dieser Verordnung ist der Rollwiderstand in kg/t bei 80 km/h und Belastung von 80% der maximalen Reifentragfähigkeit auf einem Trommelprüfstand zu messen. Anhand des so ermittelten CR-Werts erfolgt die Einordnung in die jeweilige Klasse wobei es drei verschiedene Bewertungsklassen gibt, nämlich für PKW, leichte Nutzfahrzeuge und für LKW.

Bei der näheren Betrachtung konzentrieren wir uns nun auf PKW-Bereifung. Hier schreibt die Verordnung beispielsweise vor, dass ein Reifen mit einem CR-Wert von maximal 6,5 in Klasse A einzuordnen ist und ein Reifen mit einem CR-Wert zwischen 6,6 und 7,7 in Klasse B und so weiter.

Was bedeutet das für den Verbrauch?

Aus diesen Eckdaten hat die Europäische Kommission in ihrer Folgenabschätzung SEC(2008)2860 folgendes errechnet:

Wenn man für ein Fahrzeug, das mit einem Reifen der Klasse A bereift ist, einen Verbrauch von 6,6 Litern annimmt, dann ergibt sich pro Klasse ein Mehverbrauch ziwschen 0,10 und 0,15 Litern je 100km. Auch noch nicht ganz so einfach, da die Steigerung von einer Klasse zur nächsten nicht linear erfolgt. Zwischen Klasse A und Klasse B liegt beispielsweise ein Mehrverbrauch von 0,10 l/100km (gesamt also 6,7 l), zwischen Klasse B und C jedoch von 0,12 l/100km (gesamt also 6,82 l). Und um es noch komplizierter zu machen wird die Klasse D gar nicht vergeben.

Das Reifenlabel ist also gut gemeint und bietet auch einen durchaus sinnvollen Anhaltspunkt, so richtig einfach hilft uns Autofahrern das aber nicht weiter – zumindest mir auch nach mehreren Stunden Einlesen in das Thema nicht.

Die einfache Variante!

Da nicht jedes Fahrzeug 6,6 l/100km verbraucht und sicherlich niemand beim Reifenkauf mit komplizierten Umrechnungstabellen herumhantieren möchte habe ich versucht, das ganze sinnvoll umzurechnen – in der Hoffnung, dass man von dem angenommenen 6,6 l die anderen Werte prozentuell umrechnen kann und dass man dazu nicht einen Physiker benötigt.

So komme ich beispielsweise bei einem Klasse G Reifen auf einen Mehverbrauch von 10,15% gegenüber einem Klasse A Reifen. Bei angenommenen 7 l/100km mit einem Reifen der Klasse A (im Winter setze ich doch eher lieber etwas höher an) ergibt das 7,71 l/100km für das selbe Fahrzeug mit einem Reifen der Klasse G. Bei einer Fahrleistung von 1.000 km pro Monat macht das im Jahr einen Unterschied von 120 Euro bzw. hochgerechnet auf eine Nutzungsdauer der Reifen von 4 Jahren insgesamt 480 Euro. So kann man sich innerhalb von 4 Jahren einen Satz neuer Reifen bei dem Spritkosten zusammensparen und hat dabei sogar ein Budget von 120 Euro pro Reifen zur Verfügung (stimmt so natürlich nicht ganz, weil wir ja in unseren Breitengraden zwei Reifensätze benötigen…).

Nachfolgend habe ich den jährlichen Mehrverbrauch in Euro bei einem angenommenen Spritpreis von 1,40 Euro je Liter im Vergleich zu einer Bereifung mit Klasse A Reifen für verschiedene Fahrzeuge und Kilometerleistungen für einen Überblick tabellarisch zusammengestellt. Der Mehrverbrauch zwischen einzelnen Klassen sollte daraus ebenfalls leicht ersichtlich sein. Beispiel: bei einem Verbrauch von 8 l/100km mit Reifen der Klasse A macht der Mehrverbrauch bei Bereifung mit Reifen der Klasse B bei jährlich 20.000 km 34 Euro pro Jahr aus.

mehverbrauch

Ich hoffe, dass ich alles richtig interpretiert und richtig gerechnet habe (ohne Gewähr) und dass dies vielleicht für den Einen oder Anderen eine Entscheidungshilfe beim Reifenkauf ist.

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