Der Normverbrauch – was er kann und was er nicht kann Montag, 9. März 2015

Der Normverbrauch dient als Maß zur Berechnung der Normverbrauchsabgabe NoVA. Je höher der Normverbrauch, desto höher fällt die NoVA aus. Liegt der Normverbrauch unter dem tatsächlichen Verbrauch eines Fahrzeuges, so ist dies demnach eigentlich erfreulich, weil die Steuerlast damit geringer ausfällt. Dennoch gibt der angegebene Normverbrauch immer wieder Anlass zur Kritik.

Häufig wird kritisiert, dass der vom Hersteller angeführte Verbrauch in der Praxis so gut wie nicht erreichbar ist. Oft ist von „unrealistischen Angaben“ und von „Tricksereien“ die Rede, durch die potenzielle Autokäufer zum Kauf bewogen werden sollen. Sind solche Anschuldigen aber berechtigt?

Um diese Frage zu beantworten muss man lediglich wissen, was der Normverbrauch eigentlich ist und was er nicht ist. Wie der Name schon zum Ausdruck bringt, handelt es sich dabei um eine normierte Größe. Die Hersteller von Fahrzeugen sind dazu verpflichtet, einen Verbrauchswert anzugeben, der durch einen genormten Fahrzyklus auf dem Prüfstand ermittelt wurde.

Damit ist der Vorwurf von „Tricksereien“ schon einmal nicht gerechtfertigt. Der Fahrzyklus, mit dem der Normverbrauch ermittelt wird, ist gesetzlich geregelt und daher kann davon ausgegangen werden, dass die Vorschriften zur Ermittlung des Normverbrauchs von den Herstellern genauestens eingehalten werden um gerichtliche Konsequenzen zu vermeiden.

Dieser genormte Fahrzyklus ist zugegebenermaßen von einer praxisgerechten Fahrweise weit entfernt. Aber er ist für jedes Fahrzeug identisch. Damit wird der Verbrauch unter Laborbedingungen vergleichbar. Es steht den Herstellern also nicht frei, einen nach eigenem Gutdünken zum Vorteil des jeweiligen Modells ermittelten Verbrauch anzugeben, der einen Vergleich unmöglich macht. Nur der unter normierten Bedingungen ermittelte Normverbrauch ist über alle Modelle aller Hersteller objektiv vergleichbar.

Somit ist der Normverbrauch eigentlich genau das, was ihm von Kritikern vorgeworfen wird, nicht zu sein. Er macht den Verbrauch von Automodellen vergleichbar. Nicht mehr und nicht weniger. Der Normverbrauch erhebt keinen Anspruch darauf, einen in der Praxis erreichbaren Verbrauch darzustellen.

Das ist auch gar nicht möglich, da ein praxisgerechter Verbrauch sehr individuell ist. Jeder Autohalter würde hier einen anderen Wert erwarten, der den eigenen Fahrgewohnheiten entspricht und von unzähligen Faktoren abhängig ist. Fährt man häufig allein oder wird das Fahrzeug in erster Linie zur Beförderung der Großfamilie benutzt? Werden viele Kurzstrecken gefahren oder fährt man als Pendler großteils längere Strecken? Wird der Wagen häufig kalt gestartet oder nicht? Und wie sieht es mit der eigenen Fahrweise aus?

Eine Vielzahl an Faktoren beeinflusst den eigenen individuellen Praxisverbrauch. Der Normverbrauch eliminiert all diese Faktoren und stellt einen objektiven Vergleichswert dar. Dass der gesetzlich vorgeschriebene Fahrzyklus zur Ermittlung des Normverbrauchs von jeglicher Praxis weit entfernt liegt, ist ein durchaus berechtigter Einwand. Das ist jedoch nicht die Schuld der Hersteller. Aus diesem Grund wird die EU in den nächsten Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit einen neuen Fahrzyklus vorschreiben. Dann wird sich der Normverbrauch voraussichtlich bei allen Fahrzeugen etwas erhöhen und näher an möglichen Praxiswerten liegen. Und dabei weiterhin objektiv vergleichbar sein.

Der Normverbrauch dient zur objektiven Vergleichbarkeit des Verbrauchs unterschiedlichster Fahrzeuge unter Ausschluss sämtlicher individueller Faktoren. Dafür ist er gedacht. Das kann er. Der Normverbrauch dient nicht dazu, einen „realistischen“ Verbrauch zu nennen (wobei „realistisch“ genau genommen ja falsch ist, da ein Praxisverbrauch eben individuell verschieden ist). Dafür ist er nicht gedacht. Und das kann er auch nicht.

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