Der Wunsch nach mehr Preisstabilität Donnerstag, 22. August 2013

Es ist schätzungsweise so an die 25 Jahre her, als die Treibstoffpreise noch über Monate stabil waren und Spritpreis-Änderungen vorab abends zur besten Sendezeit in den Fernsehnachrichten angekündigt wurden. Für viele Jüngere unvorstellbar.

Plötzlich war das nicht mehr möglich. Auf einmal war es eine wirtschaftliche Notwendigkeit, dass sich die Preise öfters änderten. Im Laufe der Zeit artete dieses Spiel dann so weit aus, dass die Preise mehrmals am Tag geändert wurden. Die Änderungswut der Tankstellenbetreiber wurde schließlich so groß, dass sich die Politik bemüßigt fühlte, zumindest die Erhöhung der Preise per Gesetz auf einmal pro Tag zu beschränken. Das ist die aktuelle Lage seit Beginn des Jahres 2011.

Ist das aber wirklich befriedigend? Eigentlich nicht. Was hat sich in den letzten Jahrzenten so verändert, dass über längere Zeit stabilere Preise heute anscheinend unmöglich sind?

Ganz ehrlich: keine Ahnung. Rohöl wurde auch vor Jahrzenten schon an der Börse gehandelt und Schwankungen beim Einkaufspreis waren auch damals normal. Gut, mit Sicherheit hat sich die Dynamik an den Rohstoffmärkten erhöht. Das gilt aber für andere Rohstoffe ebenso. Auch Weizen wird an der Börse gehandelt. Ändert sich deshalb der Brot-Preis mehrmals am Tag? Verstehen selbst kleine Bäckereien mehr von Preiskalkulation als die Tankstellen-Konzerne? Warum ist es nicht mehr so wie früher möglich, Preisschwankungen in den Preis einzurechnen? Und warum haben die Tankstellen ein und der selben Kette unterschiedliche Preise? Transportwege? Lächerlich. Umgerechnet auf einen Liter macht sich der Transport wahrscheinlich erst fünf oder sechs Stellen hinter dem Komma bemerkbar. Und warum schaffen es die Lebensmittel-, Drogerie-, Sport- und alle anderen Ketten auch, ihre Preise in allen Geschäften in Österreich gleich zu halten?

Befriedigende Antworten darauf wird es wohl nie geben. Mag sein, dass es etwas zu vereinfacht ist, dieses Verhalten mit dem Wort „Abzocke“ zu beschreiben. Aber ganz so verkehrt wird es dann wohl nicht sein…

Laut einer vom Marktforschungsinstitut Market im Auftrag des ÖAMTC durchgeführten Befragung wünschen sich 92% der Befragten zumindest für 24 Stunden stabile Preise. Wenig verwunderlich. Und sicherlich nicht unmöglich. In den Konzernzentralen sitzen bestimmt zumindest ein paar BWLer herum, die in der Lage sind, einen Preis zu kalkulieren, der einen Tag lang hält. Zumindest sollte man das hoffen.

Die aktuelle Spritpreisverordnung läuft Ende 2013 aus. Es gäbe also eine Gelegenheit für Veränderung. Dass die genutzt wird ist eher unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist die typisch österreichische Lösung, eine nicht befriedigende Lösung einfach deshalb trotzdem zu verlängern, weil man sich auf nichts Vernünftigeres einigen kann.

„Ein Tag – ein Preis“ lautet die berechtigte Forderung – die man eigentlich auch nur als eine Minimalst-Forderung ansehen kann, da jede längere Spanne der Preisstabilität nur wünschenswert wäre. „Absolut unmachbar“ lautet wahrscheinlich die Antwort der Öl-Lobby. So sind dann 25 Jahre doch eine lange Zeit und vieles von damals ist einfach in Vergessenheit geraten und die damaligen Verantwortlichen in Pension. Anders ist das kaum zu erklären.

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