In welchem Ausmaß kann die OPEC den Spritpreis steuern? Montag, 27. Februar 2017

Ende November 2016 hat die OPEC – die Organisation Erdöl produzierender Länder – zum ersten Mal seit 2008 wieder eine Obergrenze für die Ölproduktion gesetzt, um die unter Druck geratenen Ölpreise zu stabilisieren. Per Jahreswechsel sollte die Fördermenge um täglich 1,2 Millionen Barrel gekürzt werden.  Auch Nicht-Mitglieder des Kartells, wie zum Beispiel Russland, zogen mit um insgesamt eine Drosselung um 1,8 Millionen Barrel pro Tag zu erreichen. Seit gut zwei Monaten sprudelt nun weniger Öl aus den Bohrlöchern. Wie hat sich das auf den Ölpreis und auf den Spritpreis ausgewirkt?

Sieht man sich die Preisentwicklung der Rohölsorte Brent seit Jahresbeginn an, dann zeigt sich, dass sich der Preis seither kaum bewegt hat (Quelle: finanzen.at). Das erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich. Betrachtet man aber die Preisentwicklung seit Anfang November, stellt man einen Preisanstieg von knapp 17% (von ca. 48 USD auf knapp 56 USD je Barrel) fest. Bereits innerhalb weniger Stunden nachdem die OPEC die geplante Kürzung angekündigt hatte, ist der Ölpreis an der Börse gestiegen. Die Fördermengenkürzung war also bereits preiswirksam, noch bevor sie tatsächlich in Kraft getreten ist. Auf einen sprunghaften Preisanstieg kletterte der Ölpreis bis zum Jahresende langsam weiter nach oben, seit Jahreswechsel bewegt er sich aber kaum noch.

In welchem Ausmaß kann die OPEC den Spritpreis steuern?

Im selben Zeitraum von Anfang November 2016 bis Ende Februar 2017 ist der durchschnittliche Preis an den österreichischen Zapfsäulen für Diesel um etwa 7% und für Superbenzin um etwa 7,5% angestiegen (Quellen: ÖAMTC und Treibstoffpreismonitor). Das bedeutet Mehrkosten von etwa 7 bis 8 Cent je Liter. Umgerechnet auf die durchschnittliche tägliche Kilometerleistung österreichischer Autofahrer von 34km (Quelle: VCÖ) sind das ungefähr 15 Cent, die jeder Autofahrer pro Tag mehr für Sprit ausgibt als im November.

Dieser Rückblick zeigt, welche Auswirkungen eine Änderung bei der Ölfördermenge auf die Geldbörse von Autofahrern hat. Dabei muss man berücksichtigen, dass von einem Engpass nicht die Rede sein kann. Weltweit lagern gigantische Ölreserven in den Tanks. Dieses Überangebot hat zu dem dramatischen Preisverfall geführt, aufgrund dessen sich die OPEC letztendlich zur Kürzung der Fördermenge entschlossen hat. Diese Kürzung reicht aber wohl nicht aus, um die vorhandenen Überschüsse abzubauen. Der Preisanstieg ist demnach auf die psychologische Wirkung einer Drosselung der Förderung zurückzuführen, nicht auf einen tatsächlichen Rückgang des Angebots. Darüber hinaus ist die von der OPEC angekündigte Kürzung um 1,2 Millionen Barrel täglich noch gar nicht erreicht worden. Laut offizieller Mitteilung des OPEC-Komitees, das die Fördermenge überwacht, wurde die angestrebte Kürzung im Jänner zu 86% erreicht. Die Zahlen für Februar liegen noch nicht vor, das Joint Ministerial Monitoring Committee (JMMC) teilte jedoch mit, dass die Mitgliedsländer zu einer möglichst raschen Einhaltung der Kürzungsmenge zu 100% angehalten seien.

Das nächste OPEC-Treffen ist für Mai in Wien geplant. Allgemein wird damit gerechnet, dass das Produktionslimit weiter verlängert wird oder die Fördermenge sogar nochmals reduziert wird. Dazu passt eine Mitteilung der Commerzbank von letzter Woche, dass sich die Wetten auf steigende Ölpreise seit dem OPEC-Treffen Ende November nahezu verdoppelt hätten. Das bedeutet, dass große Anleger wie Hedgefonds und Finanzinvestoren an der Börse auf ein weiteres Steigen des Ölpreises spekulieren.

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