Warum fällt der Ölpreis und wie geht die Preisentwicklung weiter? Mittwoch, 26. November 2014

Seit Juni befindet sich der Ölpreis auf Talfahrt. Um über 25% ist der Preis für die in Europa maßgebliche Sorte Brent seit dem Höchststand im Juni bis Ende November gefallen. Erfreulich für uns Autofahrer gehen auch die Spritpreise nach unten – allerdings leider weit weniger stark, was wir aber ohnehin gewohnt sind. Der Preis für Normalbenzin beispielsweise ist im selben Zeitraum lediglich um etwa 6,5% gesunken. Die Öl-Konzerne geben traditionell die Preissenkungen kaum oder nur zögerlich an die Konsumenten weiter. Laut ÖAMTC soll der Spritpreis noch rund sechs bis sieben Prozent nachgeben. So weit, so erfreulich.

Aber was sind die Gründe für den stark sinkenden Ölpreis und – was uns Autofahrer natürlich interessiert – wie wird die Entwicklung weitergehen?

Enwticklung des Ölpreises in den letzten 12 Monaten

Wenn in Förder­ländern Unruhen ausbrechen, hat das bisher umgehend für einen deutlichen Ölpreisanstieg gesorgt. In Libyen, Irak und Syrien herrschen chaotische Zustände, der Iran ist durch Sanktionen vom Weltmarkt abgeschnitten – und trotzdem ist der Erdölpreis im freien Fall.

Der Grund für den erfreulich schwachen Ölpreis ist, dass die Produktion von Öl trotz schwächelnder Weltwirtschaft ansteigt. Das drückt den Preis. Das Plus beim Ölangebot ist den Nicht-OPEC-Mitgliedern zuzuschreiben – allen voran den USA, die laut Einschätzung von Experten im kommenden Jahr Saudiarabien als grössten Ölproduzenten der Welt überholen werden. Dank der ökologisch mehr als umstrittenen Fracking-Methode konnte die USA die Fördermenge innerhalb der letzten sechs Jahre um 70% steigern.

Damit erreichen die USA mehr und mehr Unabhängigkeit von Öllieferungen aus OPEC-Ländern (Organisation Erdöl exportierender Länder). Im August hat saudisches Rohöl nur mehr 4,6 Prozent des US-Ölverbrauchs ausgemacht. Noch vor Kurzem hätte die OPEC einfach die Fördermenge gedrosselt um das Angebot an Öl am Weltmarkt zu reduzieren und damit den Preis wieder in die Höhe zu treiben.

Angesichts der Fracking-Konkurrenz ist das jedoch heute keine wirkliche Option mehr. Um nicht auf dem eigenen Öl sitzen zu bleiben hat die OPEC nur die Wahl, den Ölpreis so weit in den Keller zu treiben, dass die Förderung mittels Fracking, die wesentlich aufwändiger und teurer ist als die „klassische“ Ölförderung, unrentabel wird.

Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) brauchen US-Produzenten einen Preis von mindestens 80 Dollar pro Barrel um profitabel zu sein. Diese Grenze ist aktuell bereits unterschritten. Fallen die Preise weiter, würden amerikanische Produzenten in Nöte geraten. Analysten gehen davon aus, dass die OPEC den Ölpreis auf bis zu etwa 60 Dollar pro Barrel drücken könnte um die Fracking-Konkurrenz in arge Bedrängnis zu bringen.

Eine zuverlässige Prognose ist natürlich nicht möglich aber derzeit deutet alles darauf hin, dass die OPEC ihre Fördermengen auch weiterhin nicht senkt und so den Preis weiter nach unten treibt um nicht noch mehr Marktanteile an die USA zu verlieren. Erst vor wenigen Tagen wurde seitens der OPEC argumentiert, dass sie nicht für das Überangebot am Weltmarkt verantwortlich sei. Damit wurde der Ball an die USA abgegeben, die aber aus Eigeninteresse wohl kaum die Förderung im eigenen Land drosseln wird.

Der Ölmarkt erlebt derzeit einen erbitterten Preiskampf in dem die Mitbewerber offensichtlich versuchen, sich gegenseitig aus dem Markt zu drängen – was so natürlich nicht öffentlich gesagt wird. Für die Öl-Konzerne ist diese Entwicklung natürlich sehr unerfreulich. Gewinner in diesem schmutzigen Kampf sind wir Konsumenten, die wir uns über günstigere Preise freuen können uns sogar auf weitere Preissenkungen hoffen dürfen.

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