Wie billig kann Tanken noch werden? Dienstag, 9. Februar 2016

Im Verlauf des Jahres 2015 ist der Rohölpreis um etwas mehr als ein Drittel eingebrochen. Der Treibstoff an den Tankstellen ist im selben Zeitraum aber „nur“ um ca. 10% bis 15% billiger geworden. Gibt es da also noch Luft? Wie billig kann Tanken noch werden?

Aufgrund der Semesterferien ziehen die Preise an den Zpfsäulen derzeit zwar etwas an, aber generell dürfen sich Autofahrer nach wie vor über sehr niedrige Preise freuen. Vergleicht man den Preisrückgang an den Tankstellen allerdings mit dem Preisrutsch für Öl an der Börse, dann stellt man fest, dass prozentuell nur ein kleiner Teil der erfreulichen Entwicklung dem Autofahrer zugute kommt. Woran liegt das? Was ist preislich möglich?

Bei genauerer Betrachtung macht der Einkaufspreis für das Ausgangsprodukt Öl nur einen kleinen Teil des Spritpreises aus. Mehr als 60% des Preises machen Steuern aus. Ein besonderer Leckerbissen für den Finanzminister ist dabei die Mineralölsteuer MÖSt. Diese wird nicht prozentuell erhoben sondern als Fixpreis je Liter. Die MÖSt bleibt auch bei einem sehr niedrigen Ölpreis gleich hoch. Der Anteil an Steuern ist demnach prozentuell höher, je billiger Treibstoff ist.

Aktuell beträgt die MÖSt 0,397 Euro je Liter Diesel bzw. 0,482 Euro je Liter Benzin. Dazu kommt noch das kuriose Konstrukt der Doppelbesteuerung. Die Mehrwertsteuer wird auf den Gesamtpreis aufgeschlagen – man zahlt also Mehrwertsteuer von der Mineralölsteuer. Dadurch ergibt sich eine Besteuerung von 0,4764 Euro je Liter Diesel und 0,5784 Euro je Liter Benzin.

Aktuell kostet ein Liter der Ölsorte Brent umgerechnet in Euro nur mehr knapp 19 Cent (ohne Steuer). Jedes Getränk mit Ausnahme von Leitungswasser ist teurer. Wie weit dieser Preis noch sinken kann, ist wohl kaum abschätzbar. Selbst wenn sich der Preis noch einmal halbieren sollte und dies zur Gänze uns Autofahrern zugute kommen sollte, macht sich dies beim aktuellen Preisniveau nur mehr mit etwas mehr als 10% beim Spritpreis bemerkbar. Schwankungen beim Dollarpreis fallen bei diesem niedrigen Ölpreises kaum mehr ins Gewicht. Der Kurs müsste schon gewaltig nach oben oder unten ausschlagen, dass sich das nenneswert auswirken würde.

Nimmt man einen minimal nötigen Deckungsbeitrag von etwa 10 Cent je Liter (inkl. MWSt) an, um die Kosten für Raffinerie und Transport zu decken, dann ergibt sich daraus, dass Diesel wohl mindestens ca. 0,60 Euro und Superbenzin ca. 0,70 Euro pro Liter kosten müsste wenn Rohöl komplett gratis wäre und sowohl Erdölkonzerne als auch Tansktellenpächter völlig auf Gewinn verzichten würden. Da beides nicht der Fall sein wird, ist klar, dass bei den derzeitigen Preisen nach unten nicht mehr viel Spielraum besteht.

 

 

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